Bio

Ich bin Jahrgang 68. Ein guter Jahrgang, wie ich finde. Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit in Hessen, Baden-Württemberg & Nordrheinwestfalen, später durfte ich in den Staaten für ein Jahr auf die Schule gehen, wovon ich nicht nur sprachlich profitiert habe. Musikbegeistert war ich seit meiner frühen Kindheit und wovon Kinder begeistert sind, davon träumen sie auch später. Nach Highschool Diplom und Abitur, sammelte ich Erfahrungen als Versicherungsverkäufer, Barkeeper, Callagent, Promotionleiter, Werbetexter und schloss eine Ausbildung bei der Südwestdeutschen Akademie für Marketing und Werbung ab. Während dieser ganzen Zeit machte ich intensiv Musik, lebte von 93 – 95 sogar fast allein davon, indem ich bei mehreren Bands gleichzeitig aktiv war.  Als ich 93 meine Frau traf, mit der ich ganze 22 Jahre verheiratet sein sollte, arbeitete ich gerade in einer Großdiskothek in Reutlingen an der Bar. 95 kam dann mein Sohn Oskar zur Welt, 96 im Dezember dann auch Leonie. Ich entschied mich, die Profimusikerträume zu vergessen und ging 97 nach Bayern zu einem großen amerikanischen IT-Konzern und arbeitet dort als Account-Manager mit gutem Erfolg. Nach einem Arbeitgeberwechsel hatte ich 2001 einen schweren Zusammenbruch direkt nach der CEBIT Hannover, der sich als schwere bipolare Störung entpuppen sollte.

Ich zählte 38 Schübe und Krisen in 16 Jahren, die stationäre Aufenthalte von 6-14 Tagen Dauer (Kriseninterventionen), bis hin zu Langzeittherapien, von in der Spitze 7 Monaten am Stück nach sich zogen. Der Durchschnittsaufenthalt dauerte i.d.R. ca. 6 Wochen. In meinen schlimmsten Phasen (Affektive Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis), verlor ich kurzzeitig den Verstand, hatte vor allem visuelle Halluzinationen, Rapid Cycling, Wahnvorstellungen, Angst und Panikzustände, z.B. am 11.9.2001 war ich bei meinem zweiten Schub ganz frisch in der Klinik und dachte ich sei schuld am Zusammensturz der Twintowers, all das war ganz ganz grauenvoll und quälend für mich.

Meine Phasen wurden überwiegend stationär in der KBO-Lech-Mangfall Klinik/Landsberg am Lech behandelt, aber ich war auch mehrfach in Haar, MPI München, Charite Berlin, Psychosomatische Klinik in Windach, Schlemmer Klinik und Soteria. Ich kenne den Wahnsinn einer schweren Psychose, die Tücken einer Manie und die tiefe Schwere einer häufig darauf folgenden Depression, aber ich kenne auch Mischphasen zur Genüge, die ich für besonders gefährlich halte. Seit Sommer 2017 habe ich weitgehend Ruhe und musste seither nicht mehr stationär, was ein ganz neues Lebensgefühl darstellt. Und ja, es gibt also einen Ausweg, auch aus solch einem Krisenlebenslauf. Der Ausweg bist Du! Und ja, es braucht in aller Regel auch Tabletten, aber das ist aus meiner Sicht und Erfahrung keinesfalls der einzige und alleinige Weg…sehr wichtig sind zum Beispiel stärkende Beziehungen.

2004-2006 absolvierte ich eine Wiedereingliederungsmassnahme zum Industriekaufmann. 2008 versuchte ich mein Leben zu beenden, was glücklicherweise misslang. In diesem Jahr starb u.a. auch mein Onkel und mein Schwiegervater, die ich beide sehr schätzte. 2009 kam dann folgerichtig die EU-Berentung. Da der Mensch etwas leisten möchte, begann ich schon in frühen Stadien, meine Gesangskarriere zu reaktivieren. 2007 veröffentlichte ich eine Solo-CD (Rogo Deville: „Vorsicht! Manisch-Depressiv!“ Schon diese CD sollte aufklären helfen. Mitte der 90er hatte ich mit einer Stuttgarter Band einen Plattenvertrag gehabt und im Rahmen dessen mit Musikern wie Rammstein oder Gianna Nannini getourt, eine CD mit Dieter Falk produziert (Die Schande-„Susi schläft alleine“ erschienen bei Metronom, heute Universal). An frühere Erfolge konnte ich aber nicht anknüpfen. Ich arbeite heute in Teilzeit als Genesungsbegleiter in einer sozialen Einrichtung und singe ein wenig auf meist sehr überschaubaren Bühnen.

Von 2013-16 leitete ich die Selbshilfegruppe K5 für Menschen mit seelischen Erkrankungen, unter der Schirmherrschaft von Chefarzt Dr. Robert Kuhlmann in der KBO-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg. Gelegentlich halte ich Vorträge für interessierte Therapeuten und Pfleger über das Thema: „Die bipolare Störung aus Patientensicht“. Telefonisch unterstütze ich auf Empfehlung und ehrenamtlich vereinzelt Betroffene oder deren Angehörige.

Gruß Rogo

PS: Ich war 32 Jahre meines Lebens vollkommen gesund und belastbar. Passen sie also auf sich auf. Achten sie vor allen Dingen auf ausreichend Schlaf. Alles Gute.